Wenn es um die Kommunikation in Alarmanlagen geht, gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze: WLAN-basierte Systeme, die das vorhandene Heimnetzwerk nutzen, und Systeme mit einem dedizierten Funkprotokoll. Protexium setzt konsequent auf den zweiten Ansatz – und in diesem Artikel erläutern wir Ihnen technisch fundiert, warum diese Entscheidung den Unterschied zwischen einem Sicherheitssystem und einem Spielzeug ausmacht.
Das Problem mit WLAN-basierten Alarmanlagen
WLAN (2,4 GHz bzw. 5 GHz) ist für den Datentransfer im Alltag konzipiert: Streaming, Videokonferenzen, Smart-TV. Es wurde jedoch nie für sicherheitskritische Anwendungen entwickelt. Die Schwachstellen im Kontext der Haussicherung sind gravierend:
Überfülltes Frequenzband
Das 2,4-GHz-Band, auf dem die meisten günstigen Sicherheitskameras und Sensoren funken, ist heillos überlastet. In einem durchschnittlichen deutschen Wohngebiet konkurrieren dutzende WLAN-Router, Bluetooth-Geräte, Mikrowellen, Babyphones und Smart-Home-Geräte um die gleichen Frequenzen. Das Ergebnis: Paketverluste, Verzögerungen und unzuverlässige Verbindungen – alles Faktoren, die bei einem Sicherheitssystem inakzeptabel sind.
Begrenzte Reichweite
Die realistische Reichweite eines WLAN-Signals im Wohnbereich beträgt 30 bis 50 Meter – und das unter optimalen Bedingungen. Stahlbetonwände, Fußbodenheizungen und Störquellen reduzieren die Reichweite oft auf unter 15 Meter. Außensensoren im Garten oder an der Grundstücksgrenze sind mit WLAN kaum zuverlässig erreichbar.
Einfach zu stören
Ein WLAN-Störsender (Jammer) ist für wenige Euro im Internet erhältlich. Professionelle Einbrecher nutzen solche Geräte, um WLAN-basierte Kameras und Sensoren vor einem Einbruch auszuschalten. Das System merkt davon häufig nichts – die Sensoren fallen einfach lautlos aus.
Hoher Stromverbrauch
WLAN-Kommunikation ist energiehungrig. Batteriebetriebene WLAN-Sensoren halten typischerweise nur wenige Wochen bis Monate, bevor die Batterien gewechselt werden müssen. Das erhöht den Wartungsaufwand erheblich und schafft Sicherheitslücken: Ein Sensor mit leerer Batterie ist ein Sensor, der nicht schützt.
Abhängigkeit vom Router
Fällt der WLAN-Router aus – sei es durch einen Stromausfall, ein Provider-Problem oder gezielte Sabotage – bricht das gesamte Sicherheitssystem zusammen. Eine Alarmanlage, die vom Internetanschluss abhängt, ist im Grunde keine Alarmanlage.
Jeweller – das dedizierte Sicherheits-Funkprotokoll
Protexium-Sicherheitssysteme basieren auf dem Jeweller-Funkprotokoll, das von Ajax Systems speziell für professionelle Sicherheitstechnik entwickelt wurde. Jeweller arbeitet auf dem 868-MHz-Frequenzband (Sub-GHz) – einem dedizierten Band, das in Europa gemäß der Norm EN 300 220 für Kurzstreckenfunkanwendungen reserviert ist.
Im Gegensatz zum überfüllten 2,4-GHz-Band ist das 868-MHz-Band nahezu störfrei. Es wird von keinen herkömmlichen Konsumgeräten genutzt – keine Router, keine Mikrowellen, keine Bluetooth-Kopfhörer funken auf dieser Frequenz. Dadurch erhält das Sicherheitssystem einen exklusiven, störungsarmen Kommunikationskanal.
Reichweite: 2.000 Meter vs. 30–50 Meter
Einer der beeindruckendsten Vorteile des Jeweller-Protokolls ist die Reichweite. Während WLAN-Sensoren im Freifeld maximal 50 Meter überbrücken und in Gebäuden auf 15–30 Meter schrumpfen, erreicht Jeweller im Freifeld bis zu 2.000 Meter. Innerhalb von Gebäuden sind es typischerweise 100 bis 200 Meter – das reicht selbst für mehrstockige Villen, große Gewerbeobjekte und weitläufige Grundstücke.
Diese enorme Reichweite verdankt Jeweller der niedrigeren Frequenz: Je niedriger die Frequenz, desto besser die Durchdringung von Wänden, Decken und anderen Hindernissen. Das 868-MHz-Signal durchdringt problemlos mehrere Betonwände, während ein 2,4-GHz-WLAN-Signal bei jeder Wand erheblich an Stärke verliert.
Für besonders große Objekte – etwa Industriegelände oder weitläufige Anwesen – bietet das System sogenannte ReX-Reichweitenverstärker, die die Funkreichweite zusätzlich verdoppeln, ohne die Sicherheit zu kompromittieren. Mehr über den Einsatz in großen Objekten erfahren Sie auf der Seite Hochsicherheit.
Batterielaufzeit: Bis zu 7 Jahre vs. wenige Wochen
Die extreme Energieeffizienz des Jeweller-Protokolls ist ein weiterer entscheidender Vorteil. Sensoren wie der Ajax MotionProtect (Bewegungsmelder) oder der Ajax DoorProtect (Tür-/Fensterkontakt) erreichen Batterielaufzeiten von bis zu 7 Jahren mit einer einzigen Batterie. Das bedeutet: Sie installieren den Sensor und müssen sich jahrelang keine Gedanken über den Batteriewechsel machen.
Im Vergleich dazu halten batteriebetriebene WLAN-Kameras und -Sensoren typischerweise nur 2 bis 8 Wochen – ein Bruchteil der Jeweller-Laufzeit. Der Grund liegt in der Physik: WLAN-Kommunikation erfordert deutlich mehr Sendeleistung und häufigere Datenübertragungen. Das Jeweller-Protokoll hingegen nutzt extrem kurze, energiesparende Datenpakete, die nur Millisekunden dauern.
Das System überwacht den Batteriestatus jedes Sensors automatisch und warnt Sie rechtzeitig – Monate im Voraus – wenn ein Batteriewechsel ansteht. Zu keinem Zeitpunkt besteht die Gefahr, dass ein Sensor unbemerkt ausfällt.
TDMA-Kommunikation – präzise Zeitschlitze
Jeweller verwendet das TDMA-Verfahren (Time Division Multiple Access). Dabei erhält jedes Gerät im System einen exakt zugewiesenen Zeitschlitz, in dem es kommuniziert. Dieses Verfahren bietet mehrere Vorteile gegenüber der chaotischen WLAN-Kommunikation:
- Keine Kollisionen: Da jedes Gerät seinen eigenen Zeitschlitz hat, können keine Datenpakete kollidieren – selbst bei 200+ Geräten im System.
- Garantierte Latenz: Alarmmeldungen erreichen die Zentrale innerhalb von 0,01 Sekunden – unabhängig von der Netzlast.
- Ping-Überwachung: Die Zentrale überprüft in regelmäßigen Abständen (12 bis 300 Sekunden, konfigurierbar), ob jeder Sensor noch erreichbar ist. Fällt ein Gerät aus oder wird manipuliert, wird dies sofort erkannt.
- Skalierbarkeit: Das System unterstützt bis zu 200 Geräte pro Hub – ohne Leistungsverlust.
Im WLAN hingegen nutzen alle Geräte denselben Kanal nach dem Prinzip „wer zuerst sendet, gewinnt“ (CSMA/CA). Bei vielen gleichzeitig aktiven Geräten führt das zwangsläufig zu Verzögerungen und Paketverlusten – Probleme, die bei einem Sicherheitssystem völlig inakzeptabel sind.
AES-Verschlüsselung mit dynamischen Schlüsseln
Jede einzelne Kommunikation im Jeweller-Netzwerk ist mit AES (Advanced Encryption Standard) verschlüsselt. Die Verschlüsselungsschlüssel werden dynamisch generiert – das bedeutet, dass sich der Schlüssel bei jeder Kommunikationssitzung ändert. Selbst wenn ein Angreifer ein einzelnes Datenpaket abfangen und entschlüsseln könnte (was bereits praktisch unmöglich ist), wäre dieser Schlüssel bei der nächsten Übertragung bereits veraltet.
Zum Vergleich: Viele günstige WLAN-Sicherheitskameras übertragen ihre Videodaten unverschlüsselt oder mit veraltetem WEP-Standard. Selbst bei Verwendung von WPA2/WPA3 ist die Verschlüsselung nur so stark wie das WLAN-Passwort – und Standardpasswörter werden selten geändert. Das Jeweller-Protokoll hingegen ermöglicht keinen manuellen Zugriff auf die Schlüssel; sie werden ausschließlich kryptographisch zwischen Hub und Sensor ausgehandelt.
Mehr über die Verschlüsselungsstandards und die Datenschutzarchitektur erfahren Sie in unserem Artikel Datenschutz bei Alarmanlagen.
Frequenzhopping – 17 Frequenzen in 4 Bändern
Das Jeweller-Protokoll nutzt nicht nur eine einzige Frequenz, sondern springt dynamisch zwischen 17 verschiedenen Frequenzen in 4 Frequenzbändern. Dieses Frequenzhopping-Verfahren (Frequency Hopping Spread Spectrum, FHSS) macht das System extrem widerstandsfähig gegen Störungen und Abhörversuche.
Selbst wenn ein Angreifer eine einzelne Frequenz blockieren würde, weicht das System automatisch auf eine der verbleibenden 16 Frequenzen aus. Um das System vollständig zu blockieren, müsste ein Angreifer alle 17 Frequenzen in allen 4 Bändern gleichzeitig stören – ein Szenario, das praktisch nicht umsetzbar ist und zudem sofort vom Anti-Jamming-System erkannt würde.
Das Frequenzhopping geschieht völlig automatisch und transparent: Weder der Benutzer noch der Installateur muss etwas konfigurieren. Das System wählt in Echtzeit die optimale Frequenz mit dem besten Signal-Rausch-Verhältnis aus.
Anti-Jamming – Störsender sofort erkennen
Während WLAN-basierte Systeme bei einem Jamming-Angriff stillschweigend ausfallen, reagiert das Jeweller-System aktiv und sofort. Die Zentrale überwacht permanent das Rauschpegel-Niveau auf allen Frequenzen. Wird eine ungewöhnliche Störung erkannt, passiert Folgendes:
- Sofortige Erkennung: Innerhalb von Sekunden identifiziert das System den Störversuch.
- Alarm: Der Eigentümer und die 24/7-Leitstelle werden sofort über einen Jamming-Versuch informiert – ein Jamming-Alarm ist ein ebenso kritisches Ereignis wie ein Einbruchalarm.
- Automatischer Frequenzwechsel: Das System wechselt automatisch auf eine nicht gestörte Frequenz und setzt die Kommunikation ohne Unterbrechung fort.
- Alarmprotokoll: Der Störversuch wird mit Zeitstempel protokolliert und kann später als Beweismittel dienen.
Für professionelle Einbrecher ist ein Jamming-Angriff auf ein Jeweller-System daher kontraproduktiv: Statt das System auszuschalten, lösen sie einen Alarm aus und machen sich damit selbst aufmerksam. Für Informationen über unsere zertifizierten Sicherheitsstandards besuchen Sie die Seite Zertifizierungen & Normen.
Anti-Spoofing – Geräteauthentifizierung pro Sitzung
Neben Anti-Jamming bietet Jeweller auch umfassenden Anti-Spoofing-Schutz. Spoofing bezeichnet den Versuch, sich als legitimes Gerät auszugeben und falsche Signale an die Zentrale zu senden – beispielsweise ein „Alles in Ordnung“-Signal, während tatsächlich ein Einbruch stattfindet.
Im Jeweller-Protokoll muss sich jedes Gerät bei jeder Kommunikationssitzung neu authentifizieren. Dabei werden einzigartige Gerätekennungen, dynamische Schlüssel und kryptographische Prüfsummen verwendet. Ein gefälschtes Gerät, das nicht über den korrekten Schlüssel verfügt, wird sofort erkannt und gemeldet.
Dies ist ein fundamentaler Sicherheitsunterschied: WLAN-basierte Systeme sind für Replay-Attacken und Spoofing anfällig, da sie auf standardisierte Protokolle setzen, deren Schwachstellen gut dokumentiert sind. Jeweller hingegen ist ein proprietäres Protokoll mit mehrstufiger Authentifizierung, das keine bekannten Angriffsvektoren bietet.
4 Kommunikationskanäle am Hub
Während WLAN-basierte Alarmanlagen nur einen einzigen Kommunikationskanal haben (das WLAN), verfügt die Ajax-Zentrale (Hub) über vier unabhängige Kommunikationskanäle zur Außenwelt:
- Dual-SIM (2G/3G/4G): Zwei SIM-Karten verschiedener Mobilfunkanbieter stellen sicher, dass selbst bei einem Netzausfall eines Providers die Verbindung steht.
- Ethernet: Kabelgebundene Verbindung für maximale Zuverlässigkeit und Bandbreite.
- WLAN: Als zusätzlicher Backup-Kanal (nicht als primärer Sicherheitskanal).
Diese vier Kanäle arbeiten nach dem Redundanzprinzip: Fällt ein Kanal aus, übernimmt sofort der nächste. Ein Angreifer müsste gleichzeitig die Mobilfunknetze zweier Provider, das Ethernet-Kabel und das WLAN deaktivieren, um die Kommunikation zu unterbrechen – ein Szenario, das praktisch ausgeschlossen ist.
Wichtig: Das Jeweller-Funksystem für die interne Kommunikation zwischen Sensoren und Hub ist völlig unabhängig von allen vier externen Kanälen. Selbst wenn alle Internetverbindungen ausfallen, kommunizieren die Sensoren weiterhin mit der Zentrale und lösen lokal Sirenen und Aktionen aus. Der Schutz Ihres Zuhauses bleibt auch bei einem kompletten Internetausfall vollständig aktiv.
Da das Jeweller-Funkprotokoll auf 868 MHz arbeitet – einer völlig anderen Frequenz als WLAN (2,4/5 GHz) – hat das Sicherheitssystem keinerlei Auswirkung auf die Geschwindigkeit oder Stabilität Ihres Heimnetzwerks. Sie können weiterhin in voller Bandbreite streamen, arbeiten und spielen, während Ihr Sicherheitssystem auf seinem eigenen, exklusiven Kanal kommuniziert.
Vergleichstabelle: WLAN vs. Jeweller
| Eigenschaft | WLAN (2,4 GHz) | Jeweller (868 MHz) |
|---|---|---|
| Frequenzband | 2,4 / 5 GHz – überlastet | 868 MHz – dediziert, störungsarm |
| Reichweite (Freifeld) | 30–50 m | Bis zu 2.000 m |
| Reichweite (Gebäude) | 10–30 m | 100–200 m |
| Batterielaufzeit Sensoren | Wochen bis Monate | Bis zu 7 Jahre |
| Jamming-Erkennung | Keine – lautloser Ausfall | Soforterkennung + Alarm + Frequenzwechsel |
| Verschlüsselung | WPA2/WPA3 (passwortabhängig) | AES mit dynamischen Schlüsseln |
| Frequenzhopping | Nein (fester Kanal) | 17 Frequenzen in 4 Bändern |
| Anti-Spoofing | Begrenzt | Geräteauthentifizierung pro Sitzung |
| Router-Abhängigkeit | Ja – Router-Ausfall = Systemausfall | Nein – völlig unabhängig vom Router |
| Einfluss auf Heim-WLAN | Ja – belegt Bandbreite | Keinerlei Einfluss |
| Max. Geräte pro Hub | Begrenzt durch Router-Kapazität | Bis zu 200 Geräte |
| Kommunikationskanäle | 1 (WLAN) | 4 (Dual-SIM + Ethernet + WLAN) |
Fazit – Warum Funk die bessere Wahl ist
Die Entscheidung zwischen WLAN und einem dedizierten Funksystem ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Sicherheit. WLAN wurde für Komfort entwickelt – Jeweller für Schutz. Die Überlegenheit zeigt sich in jeder einzelnen Kategorie: Reichweite, Batterie, Störfestigkeit, Verschlüsselung, Skalierbarkeit und Unabhängigkeit.
Ein Protexium-Sicherheitssystem mit Jeweller-Funksystem ist eine Investition in Zuverlässigkeit, die sich im Ernstfall bezahlt macht. Denn eine Alarmanlage, die sich durch einen 20-Euro-Störsender außer Gefecht setzen lässt, ist keine Alarmanlage – sie ist eine Illusion von Sicherheit.
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Quellen & weiterführende Links
- Ajax Systems – Jeweller Funkprotokoll Dokumentation
- ETSI EN 300 220 – Europäischer Standard für Kurzstreckenfunk (868 MHz)
- BSI – Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik – Empfehlungen für Funksicherheit
- Ajax Systems – Anti-Jamming-Technologie im Detail
- Ajax Systems – Jeweller: Wie Funktechnologie für Sicherheit funktioniert